Paprika – eindeutig Paprika…dieser leckere Geschmack in meinem Mund, der den Gaumen hinuntergleitet – Paprika. Ungarn..Paprika.

Mit geschlossenen Augen wiege meinen Kopf hin und her, gerade so, als ob  einige Halswirbel wieder in ihre Ausgangsposition zurück knacksen müssten. Für einen Moment halte ich inne und lasse meinen Kopf aus dieser Bewegung heraus auf der rechten Schulter verharren. Ich schaue mich um in der kleinen kargen Behausung, auf deren Boden ich inmitten eines Decken- und Kissenlagers sitze.

Sieht komisch aus, die Welt aus dieser schiefen Kopfposition zu betrachten. Alles erscheint anders. Vertrautes ist plötzlich gar nicht mehr so vertraut. Ich entdecke aus dieser Sichtweise plötzlich Gegenstände, die ich noch nie gesehen habe, nie gebraucht habe. Aus einer anderen Perspektive betrachtet erscheinen mir Dinge plötzlich sinniger und ich verstehe, wieso sie so sind, wie sie sind und wofür ich sie benutzen könnte. Leichte Neigung des Körpers nach links eröffnet mir einen Blick in den Raum der Hütte.

 

Paprika-gelb

Gelbe Paprika und Honigmelone bilden die Grund der Suppe

 

Dunkel und dämmrig ist es hier. Das Mondlicht blitzt durch den Spalt am Fenster, der nicht durch die schweren dunklen Vorhänge verdeckt ist. Ich sitze in eine mollig warme Decke gehüllt an der Feuerstelle, die sich in der Mitte einer kleinen Lehmhütte befindet. Die Hütte ist in warmes braunes Licht gehüllt und an der Decke des strohgedeckte Daches tanzen die Schatten, die vom Flackern des Feuers erzeugt werden fröhlich umher.

Links, in der einen Ecke der Hütte steht ein altes Mütterchen mit dem Rücken zu mir und schneidet in einer Seelenruhe, die ihresgleichen sucht, Gemüse. Sie trägt einen schweren dunklen Stoffrock und eine Schürze, wie sie halt nur eine alte Omi tragen kann. Wir nennen das Mütterchen nur Babutschka Boglárka. Sie wohnt schon ewig hier in dem kleinen Dörfchen in den transdanubischen Bergen, die entlang der Nordseite des Balaton verlaufen und bis hinunter zum Donauknie nördlich von Budapest reichen.

 

Melonenstück und Frischkäsenockereln verfeinern diese Suppe

 

Ich reibe meine Hände ineinander und erzeuge so zusätzliche Wärme. Ich hauche in meine Hände und strecke sie dem Feuer entgegen. Langsam taue ich wieder auf und genieße die Wärme des Feuers. In so ein knisterndes Lagerfeuer könnte ich stundenlang hineinschauen und die Glut beim Glimmen betrachten. Kleine blaue Flämmchen tanzen um die Holzscheite.

Ein leckerer pikanter Geruch von Essen liegt in der Luft. Über dem Feuer steht ein dreibeiniges Kochgestell, an dem ein großer schwerer eiserner Topf hängt in dem ein leckeres Süppchen vor sich hin köchelt. Ich saug den Geruch der Suppe ein und schau zu, wie der Dampf der selbigen gen Decke steigt um letztendlich in einem Loch im Dach, durch welches man den sterneglitzernden Nachthimmel sehen kann, entschwindet.

Babutschka Boglárka kommt von Ihrem Schneidplatz zu mir geschlürft, nickt mir freundlich zu, grinst mich aus Ihrem mit einem Kopftuch umrahmten faltenübersäten Gesicht an und wirft etwas in den Kochtopf. Es sah aus wie Melone. Ich bin verwirrt. Paprikasuppe mit Melonen? Das kann auch nur dieser alten verrückten Frau einfallen.

Ich stehe auf und beuge mich über den Kopftopf, nehme einen Suppenlöffel, der neben mir liegt und koste den leckeren Inhalt. Lange schiebe ich mit geschlossenen Augen den Geschmack von Paprika, Melone und urigen feingemahlenen Pfeffer von einem Mundwinkel in den anderen. Fantastisch..einfach fantastisch. Paprika. Eindeutig Paprika.

Ich öffne langsam meine Augen und schaue in den Kochtopf auf meinem hochmodernen Induktionsherd. Dort köchelt Babutschka Boglárkas Paprika-Melonensuppe vor sich hin und steigt mir in die Nase.

Ich grinse und schüttel den Kopf. Ich sollte eher in mein Bett gehen und nicht so viel am Herd träumen.

Ich schöpfe die „Boglárka Paprika-Melonensuppe“, benannt nach einer Frau, die ich nicht kenne, nie kennen gelernt habe, aus dem Topf in eine Schale. Ich würde Babutschka Boglárka die Schale reichen und sie erwartungsvoll mit großen Augen anschauen und auf ihr Urteil warten.

 

 

Ich hülle mich auf meinem Sofa in meine warme Decke, entscheide mich dazu die Schale so schnell wie möglich zu kaufen und schlürfe den Geschmack Ungarns in mich hinein. Ich kneife die Augen zusammen, lege meinen Kopf schräg auf die linke Schulter und versuche Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Alles sieht plötzlich anders aus, Vertrautes sieht plötzlich fremd aus und nichts ist wie es scheint.

Zutaten für 4 Portionen:

  • 4 Paprikaschoten, gelb
  • 1 reife Honigmelone
  • 4 EL OLivenöl
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 Rosmarinzweige
  • 750ml Gemüsebrühe
  • 2 EL Frischkäse
  • Salz und Chilipulver

 

Zubereitung

  1. Melone halbieren und die Kerne entfernen
  2. mit einem Kugelausstecher 12 Melonenkugeln heraus stechen und zur Seite legen. restliches Melonenfruchtfleisch klein schneiden.
  3. Paprikaschoten waschen und in Stücke schneiden, Kerne entfernen
  4. Paprikastücke in 2 EL heißem Olivenöl unter ca. 3 Min. heiß anbraten.
  5. Melonenfruchtfleisch, Gemüsefond, Knoblauch und Rosmarin hinzufügen und aufkochen lassen
  6. abgedeckt ca. 12 Min. vor sich hin köcheln lassen – gelegentlich umrühren
  7. Rosmarin aus der Suppe nehmen
  8. Suppe pürieren und durch ein Passiersieb passieren
  9. mit Salz, Chilipulver abschmecken.
  10. aus einem gekühlten Frischkäse mit einem in kaltes Wasser getauchten Teelöffel kleine Nocken formen
  11. Suppe auf Teller verteilen, jeweils 2-3 Käsenocken und Melonenkugeln darauf geben.

 

Lasst es Euch schmecken

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Jens

Jens

4 Comments

  1. 30. März 2014 at 20:01 — Antworten

    Woooozaaaaa!

    Hätte ich nicht just in diesem Moment einen groooooßen Teller Nudeln verdrückt (erspar dir bitte den Kommentar) und hätte ich ein paar gelbe Papriköschen und ein Melönchen daheim und hätte ich die Motivation zu kochen anstatt faul im Bett zu liegen dann würde ich SOFORT in die Küche flitzen und das Süppchen der Babutschka Dingensbummens nachkochen. LEGGER!

    Allein schon wegen des Kopfkinos in meinem Schädel, aber hätte wenn und aber es soll heute nicht sein! Vielleicht morgen oder die Tage, mal gucken.

    XX Nicoletta

    • 30. März 2014 at 23:27 — Antworten

      Hätte hätte liegt im Bette..könnte meine Oma hupen, wäre Sie ein Bus.
      Vielen Dank Nicoletta..wir freuen uns, wenn wir Kopfkino erzeugen können

  2. 31. März 2014 at 05:21 — Antworten

    Ihr Helden,
    auf diese Art vereise ich auch gerne! Und komme auch öfters mit neuen Rezepten wieder, die ich manchmal sogar unter Lebensgefahr … Ja, ehrlich!

    Jedenfalls wird mich das Süppchen demnächst daran erinnern Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehn!
    Fein geschrieben, Ihr Helden!

    Gruß aus’m Gartenhaus

    Rita

  3. Anna
    12. Juni 2014 at 21:29 — Antworten

    Ein geniales Rezept, ich bin heute schon auf den Geschmack von Wassermelonen-Salat gekommen ( ein Traum <3), da reizt mich doch das Melonensüppchen. Ich freu mich schon, wenn ich das demnächst mal mache. :)

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