Gibt man bei Google unseren Blognamen „Kochhelden“ ein, so ergeben sich neben unserem Blog auch einige andere Treffer. Unter diesen ist das Kochbuch Kochhelden: Rezepte für das wahre Leben* vom Callwey Verlag (159 Seiten, 24,95 Euro) zu finden.

Somit war es eigentlich auch nur eine Frage der Zeit, bis eine E-Mail dieses Verlages in unserem Postfach landete. Zuerst dachte ich, „Na da möchte sich wohl jemand beschweren wegen unserem Namen. Soll er mal kommen – schließlich haben wir einen guten Anwalt“.

 

 

Das alles anders kam, wurde wenige Tage später deutlich, als ich mich an einem trüben Tag mit Regenwetter, in eine Decke gekuschelt auf meinem Sofa wieder fand und ein neues tolles Kochbuch in Händen hielt und es durchblätterte.

„Blättern Sie durch dieses Buch-ohne es auf zu essen… O. k., Sie dürfen es jetzt ablecken. Lecken Sie das Buch ab. Es bleibt unter uns. Nachdem sie es abgelegt haben, benutzen Sie es. Kochen Sie die Gerichte nach und essen Sie sie. Sie werden glücklich sein, es getan zu haben.“

Wenn Rob Delaney, ein Komiker, den wohl keine Sau in Europa kennt, der aber das Vorwort mit so blumigen Worten umschrieben hat, mich dazu auffordert, begebe ich mich auf eine Reise durch

das Buch nach Bildern, die ich ablecken möchte. Aber Vorsicht, ich komme aus dem Druckergewerbe und weiß, daß Druckfarben weder schmecken, noch gesund sind. Das sollte mal jemand Rob sagen, der scheinbar zuviel am Buch rumgesabbert hat.

 


Los gehts!!! Ich schlage das Buch auf und finde viele Bilder von Menschen, Frauen, Männern, Körperteile wie Arme und Hände, die auf einem voll gefühlten Tisch nach Essen greifen. Das vermittelt mir sofort ein Gefühl von „Hey ich hab viele Freunde, koche gerne mit Ihnen und lade Sie gerne zum Essen ein“ – es ist ein vertrautes Gefühl, was mir dieses Buch sofort sympathisch macht.

Wir sehen nicht nur ein Essen, welches extra für ein Foto angerichtet wird, nein es werden Menschen in Aktion gezeigt.
Ablecken möchte ich diese Menschen trotzdem nicht. Die riechen bestimmt.

Ich blätter weiter…

Wooooow.. Bei dem Bild von der gebratenen Lammkeule, der Hochrippe nach Korea-Art oder dem Rote Beete Joghurt Salat ändere ich sofort meine Meinung und fange an wie verrückt in den Buchseiten herum zu lutschen.

 

 

Bereits nach den ersten Seiten, die nun leicht durchnässt sind, merke ich, mit welcher Detailverliebtheit und Moderne das Buch gestaltet ist. Die Bucheinteilung kenne ich so bisher nicht: Sonntags Brunch, Grillfutter, ein Abend daheim, Dinner Party, Mitternachtssnack, Süßkram.

Ungewöhnlich, interessant, kreativ, unstrukturiert – irgendwie anders.

 

Der Alltag wird immer schneller hektischer. Das kennt Ihr natürlich auch. So passiert es oft, dass man zu Fast Food, Tiefkühl- oder Fertigprodukte zurückgreift – dies geschieht auf Kosten des Geschmackes und Eure Gesundheit.
In diesem Kochbuch stellen die beiden Autoren Max und Eli Sussmann raffinierte Rezepte vor, die angeblich immer gelingen. Und wenn sie einmal nicht gelingen und Ihr die Haut des Fisches auf der einen Seite verliert, so sagen Euch nette Anekdoten neben einem Fischgericht in diesem Buch, dass ihr immer noch auf der anderen Seite des Fisches eine zweite Chance habt.

 

Gerade die kleinen persönlichen Anekdoten der Köche, die tollen Fotos von ihren Freunden und Familien, die an Comics anmutende Schrift und kleine liebevolle Zeichnungen zeigen wie viel Mühe in diesem Buch steckt.
Auf manchen Seiten kommt es mir schon etwas zu viel und zu gewollt vor, so dass ich mir denke „Da musste sich ein Grafiker ganz schön ausgetobt und selbstverwirklicht haben“.
Dies ging leider zu Kosten von Essensbildern, die nicht bei jedem Gericht dabei sind. Je weiter ich mich in dem Buch nach hinten blättere, umso mehr fällt mir auf, dass die Bilder von Menschen, Freunden und Familie und von den Köchen selbst, mehr und mehr in den Vordergrund treten.

„Just a little bit too much“ und zu gewollt, Fröhlichkeit und Spaß am Essen auf meine Couch zu transferieren.

 

 

Gleich im ersten Kapitel, indem es um Frühstück geht, bekomme ich eine Insulinausschüttung und nehme zwei Kilo zu – einfach nur deshalb, weil ich die Foodbilder des deftigen Essens anschaue. Man muss schon Amerikaner sein um ein frittiertes Hähnchen mit Waffeln, Butterkekse mit Chorizosauce, Tortillachips um 8 Uhr morgens zu mögen.

Kaum Kalorien dürften die Gerichte haben, in denen englishe Muffins in einem Zuckersahne-Gemisch ertränkt und ausgebacken werden, um sie dann anschließend mit Ahornsirup zu überschütten.

Um es kurz zu machen: nur ein gesundes Rezept befindet sich im Frühstücksbereich dieses Buches: „Gebackene Türkische Eier“.

Hier schlägt das Manko des fehlenden Bildes zu, sodass ich nur erahnen kann, wie es aussehen soll.
Hier wäre meine Version mit etwas veränderten Zutaten für 4 Portionen:

 

Gebackene_tuerkische_Eier

Gebackene türkische Eier

 

Zutaten:

  • 2 Dosen Flaschentomaten, abgetropft und gehäutet
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe gehackt
  • 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
  • 1/2 TL gemahlener Koriander
  • 1/4 TL Cayennepfeffer
  • 1 Prise Salz
  • 1 Schalotte
  • 375 g Babyspinat
  • 6 große Eier
  • 150 g gestückelter Feta
  • 25 g griechischen Joghurt
  • 125 ml Milch
  • abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone
  • etwas Zitronensaft

Zubereitung:

  1. Ofen auf Umluft 190°C vorheizen
  2. Tomaten in eine Schüssel geben und zerkleinern
  3. mittelgroßen Topf erhitzen, 2EL Öl hineingeben
  4. Knoblauch und Schalotte kurz heiß anschwenken
  5. Tomaten, Kreuzkümmel, Koriander, Salz und Pfeffer nach Belieben hinzufügen
  6. Sauce 15 min köcheln und einreduzieren lassen – abschmecken und warmhalten

 

  1. 1 EL Öl in eine heiße Pfanne geben
  2. Spinat hinzu geben und bei mittlerer Hitze 2 min sautieren bis er zusammenfällt
  3. 1 Prise Salz unterrühren

 

  1. Tomatensauce in eine passende Auflaufform geben, verteilen und den Spinat darüber legen
  2. Mit der Rückseitenrundung eines Löffels 6 Mulden in den Spinat drücken – groß genug, um ein Ei aufzunehmen
  3. Je 1 Ei vorsichtig ohne Eigelbverletzung in die Mulden blumpsen lassen
  4. Den Feta darüber streuen
  5. 20 min backen bis die Eier stocken
Gebackene_tuerkische_Eier

So sieht das Gericht im Rohzustand aus

  1. Joghurt und Milch in einem Topf verrühren und bei schwacher Hitze erwärmen.
  2. Die abgeriebene Zitronenschale unterrühren.
  3. Die Eier aus dem Ofen nehmen und die Joghurtsauce darüber gießen

 

Fazit: Übelst leckeres Gericht, was mich jetzt schon dazu animiert weitere Gerichte aus diesem Buch zu kochen.

Im Buchbereich „Grillfutter“ fühlen wir Jungs uns schon eher zu Hause. Hier warten die beiden amerikanischen Köche erst einmal mit drei sehr leckeren Salaten und einem Wassermelonen Gazpacho auf.

Bei den Hot Wings muss ich erneut lachen. Wer eine Hot-Chilisoße mit einer Sriracha-Sauce zu 500 ml Marinade vermischt, bei dem brennt es definitiv zweimal. Viel Spaß!!

 

Die Namen der Gerichte hören sich im ersten Moment etwas hochtrabend an, aber wenn man sich in das Rezept einliest, merkt man schnell, dass es sich hier um bodenständige Rezepte handelt, die jedermann daheim nachkochen kann – mit Zutaten, die auch ihren Deutschland verfügbar sind.

An manchen Stellen wird es mir fast schon zu einfach. Angebratener Blumenkohl mit Zwiebel – also Jungs, daß hab ich in meiner Studentenzeit schon gekocht und da hatte ich keinen Plan von Essen. Da erwarte ich von gestanden Köchen schon was anderes.

 

 

Als eine hervorragende Auflockerung und sehr lehrreiche empfand ich die grünen „Projektseiten“ im Buch, die sich jeweils bestimmten Themen, wie Pökeln, Räuchern usw. widmeten.
Projekt Einlegen: „Bringen Sie statt einer faden Flasche Wein etwas Eingelegtes als Gastgeschenk mit“geile Idee.

Ich fang heute schon an und lege Dillgurken ein und beglücke in Zukunft meine Freunde damit. Das ist kein Witz. Mit solchen kleinen Ideen wartet das Buch immer zwischendrin einmal auf und bringt einen dazu mal etwas anders zu machen und über seinen Tellerrand zu schauen.

 

„Vergessen Sie Tiefkühlpizza – Eine Pizza für ein paar Euro ist kein tolles Schnäppchen, sondern Geldverschwendung“.

Mit solchen Sätzen sprechen Sie uns natürlich völlig aus der Seele. Wenn es schon eine Pizza sein muss an einem Highcarb-Tag, dann sollte doch wenigstens die Pizza und auch der Teig selber gemacht sein.

Je weiter ich mich durch das Buch blätter, umso mehr Lust bekomme ich dies oder das daraus nachzukochen. Ich könnte euch jetzt noch stundenlang von Shitake-Ingwersuppe mit Knoblauch-Hähnchenklößen, Pulled Pork , gerösteten Blumenkohl mit Röstzwiebeln oder sautierten Grünkohl mit Mandeln erzählen.

 

 

 

Das lass ich jetzt aber und mummel mich in meine Kuscheldecke auf meinem Sofa und lese noch ein bisschen mit einem lachenden und einem weinenden Auge in diesem tollen Kochbuch.

Ein lachendes Auge deshalb, weil ein so kreativ gestaltetes Kochbuch so nah mit unserem Namen verwandt ist – ein weinendes Auge deshalb, weil es nicht von uns ist und der Callwey-Verlag den Orginaltitel „This is a cookbook“ so falsch übersetzt hat. 

Es ist in der Tat ein Kochbuch, ein schönes – aber mit uns Kochhelden hat das nix zu tun. Hätte der Verlag zum damaligen Zeitpunkt eine Suchmaschine benutzt, wären sie sicher auf unserer Seite gestoßen und diesen Kochbuchtitel für uns reserviert.

Heute müssen wir damit leben, dass es ein Buch gibt, welches unseren Namen trägt und der Verlag damit, daß wenn jemand nach diesem Buch gesucht wird, erstmal unser Blog ganz oben steht.

Es bleibt zu sagen, dass es ein wunderschönes kreativ gestaltetes Kochbuch ist mit tollen einfachen Rezepten, die schmecken. Leider sind die meisten Gerichte mir persönlich zu amerikanisch angehaucht und führen mit Sicherheit zu einer Blutzuckersteigerung im massiven Ausmaß. Lecker aber ungesund – so könnte man die Gerichte beschreiben. Dennoch bin ich froh, dass dieses Buch in meinem Kochbuchregal seinen Platz gefunden hat und wir danken Callwey dafür, dass sie uns das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

Wer dieses Buch shoppen möchte, flitzt einfach hier entlang zu Amazon:

* Dieses Produkt wurde uns von Callwey kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Artikel gibt unsere unbeeinflussbare Meinung wieder.

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