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Jetzt noch schnell in den Konsum, ein paar Flaschen Brause, Club Cola und Zellstofftaschentücher einkaufen und dann nach Hause. Die Schule war heute extrem nervig und dann war da auch noch FDJ-Versammlung. Oberätzend. Ich geh da ja nicht mehr hin. Meinen Antrag auf Austritt aus dem Verein habe ich schon lange abgegeben. Das gibt bestimmt wieder Ärger. So wie neulich.

Dabei war es nur ein kleines Apotheken-Umschau-Heft von der Tante aus dem Westen. Gut, ich hätte es nicht in der Schule lesen sollen. Das sehe ich ja ein. Verbreitung kommerzieller Zeitschriften aus dem kapitalistischen Ausland ist jetzt für einen 13jährigen nicht so cool, der in einem sozialistischen Staat lebt. Um es kurz zu machen: Seit diesem Tag besitze ich eine Stasi-Akte.

Ich schleppe den Einkauf in den vierten Stock des Arbeiterschließfaches. So nenne ich liebevoll unsere 4 Raumwohnung im Betonbunker, in dem ich mit meinen Eltern und meinem Bruder wohne. Auf dem Herd blubbert die Sojanka vor sich hin, die meine Mum am Abend vorher für uns Kids gekocht hat. Soljanka, ein typisch ostdeutsches Gericht. Ultralecker.

 

 

 

Ich schalte den Chromat 4000, unser Heiligtum, das Farbfernsehempfangsgerät ein. Geliefert wurde der Fernseher in Teakholz. Bestellt wurde das Teil aber in „Rüster“ (Buchendekor). Das hat aber nicht zur Wohnungseinrichtung gepasst. Also hat mein Dad damals ganz revolutionär die Glotze weiß angemalt. Das olle Ding war jetzt so stylisch, dass dies bestimmt unser nächster Stasi-Akteneintrag war.

Der Chromat hat den Zusatz 4000 bekommen, weil er 4000 Ostmark gekostet hat. Das Gerät wurde auch nur an unsere Familie erteilt, weil meine Mum damals eine Empfehlung von Ihrem Abteilungsdirektor und von der BGL (Betriebsgewerkschaftsleitung) bekommen hat. Ja, so einen Fernseher musste man sich genehmigen lassen. Ein dreiviertel Jahr später stand das Monstrum (ohne Fernbedienung) in unserer Wohnung, weiß gestrichen und davor ein ungläubiger 13jähriger Junge, der am 09. November 1989 das SED-Politbüromitglied Günther Schabowski sagen hört:

Ab sofort treten folgende zeitweilige Übergangsregelungen für Reisende und ständige Ausreisen aus der DDR in das Ausland in Kraft: a) Privatreisen nach dem Ausland …“

Seit Wochen war ich jede Woche mit meinen Eltern auf den Montagsdemonstrationen unterwegs und brüllte wie ein Angestochener „Wir sind das Volk“.

Ein Traum ging in Erfüllung.

 

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Am 9. November vor 25 Jahren war der Start für etwas ganz Besonderes – ich schlug wenige Tage später in Berlin Stücke von der Mauer, ich konnte in Länder reisen, die ich vorher nicht mal wusste, wie man sie schreibt, ich habe Früchte, wie Kiwis gegessen, die ich nicht kannte, ich konnte frei wählen, offen sagen und schreiben, was ich wollte, ich durfte meine Meinung äussern. Alles Dinge, die ich bis dahin nicht kannte, die aber heute für viele Menschen selbstverständlich sind.

 

Heute wohne ich seit 23 Jahren im westlichen Teil Deutschlands und der 9. November 1998 ist der Startschuss für mein zweites Leben gewesen. Wenn ich heute Bilder im Fernseher von der Grenzöffnung sehe, schießen mir Tränen in die Augen, weil das so toll ist, was damals passiert ist und ich aktiv dabei war. Dieser Tag ist so bedeutend für mich, dass dieses Datum Teil meines Oberarmtattoos ist und es heute eine DDR-Soljanka auf dem Blog gibt…der alten Zeiten wegen…

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag der Maueröffnung !!!!

 

 

 

Zutaten:

  • 100 g Speck
  • 50g Schinkenwurst
  • 50g Salami
  • 1 EL Öl
  • 2 rote Paprikaschoten
  • 1 Karotte
  • 2 Tomaten
  • 3 Schalotten
  • 1 Prise Salz und Pfeffer
  • 1 Prise Chiligewürz
  • 3 EL Tomatenmark
  • 1 EL Aivar
  • 1 EL Gewürzgurkenbrühe
  • 500ml Gemüsebrühe
  • 1 Biozitrone
  • 1 EL Joghurt

 

Zubereitung:

  1. Schinkenwurst in Streifen schneiden
  2. Öl in heiße Pfanne geben und mit Zwiebel zusammen anbraten
  3. Paprika und Tomaten klein schneiden und in Pfanne dazu geben
  4. salzen
  5. mit Chiligewürz würzen
  6. Tomatenmark in Pfanne dazu geben
  7. mit Brühe auffüllen und bei mittlerer Hitze 15 min köcheln lassen
  8. mit Chili und Salz nachwürzen je nach Geschmack
  9. in Teller füllen und mit einem Klecks süße Sahne verzieren
  10. 1 Rädchen Zitrone dazu legen
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Jens

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