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Da steh ich nun, schraube meine Kamera an die Fensterscheibe des Ladens. In meinem Rücken tummelt sich eine Vielzahl an Menschen. Die meisten davon scheinen der Gattung des weiblichen Geschlechtes anzugehören. Ich erkenne sowas ja sofort. Meist am Körperbau. Weitere Merkmale sind hohe Stimme und oft unermüdliches Mitteilungsbedürfnis. Manchmal kann man so eine Frau auch an Ihrem Namen erkennen. Erika beispielsweise ist ein Frauenname. Heisst ein Wesen so, dann ist es meistens eine Frau.

Hinter mir haben sich die Erikas der Foodbloggerszene versammelt. Zwischen drin lässt sich ab und ein Erik sehen. Wieso sind eigentlich so viele Frauen bei einem Foodblogaward? Ich vermisse meine Mitstreiter. Sind wir Männer nicht gut genug? Immerhin sind in ein paar Kategorien auch Männer nominiert.

Ich schalte die kleine Kamera, die sich tapfer mit einem Saugnapf an der Scheibe fest hält, an, drücke auf Aufnahme, setze mich in die gegenüberliegende Ecke des Raums, beobachte das lustige Treiben und gehe der Frage nach dem Männerschwund in Bloggerhausen nach. Ich habe eine Theorie. Zum einen wird es wohl daran liegen, dass es im Blogbereich mehr Frauen gibt als Männer. Viel mehr Frauen. Aber hallo. Quasi hat jede zweite Frau einen Blog. Is so. Gibt´s eigentlich noch Frauen, die keinen Blog haben? Ich sehe, wie viele den Kopf schütteln. Kaum. Mhmm…

 

Männer haben keine Zeit für einen Blog. Wir Jungs kochen unser Essen und lassen es dann gleich in unserem Körper verschwinden. Kurz und schmerzlos.

Zack und weg. Wenigstens ist es dann noch warm.

 

Vermutlich haben Frauen auch viel mehr Zeit, den schönen Künsten des Schreibens, Gestaltens und Ablichtens nach zu gehen. Männer sind da eher träge – zu faul. Ich kenne Männer mit Food-Blogs, die Ihre Texte von Ihrer Mitbewohnerin oder Lebensabschnittsgefährtin schreiben lassen. „Jehhoovaaa Jehhovaaaa…steinigt ihn“, brüllt die judäische Blogger-Volksfront aus der letzten Reihe.

Der gemeine Mann denkt also, wenn er schon einen Blog hat, muss es ausreichen, wenn er Fleisch auf einen Teller packt und dazu das Rezept postet. Weit gefehlt meine lieben Mitstreiter. Das Bild und der Text ist wichtig. Einen einigermassen anständigen Text zwischen 300 und 1000 Wörtern wird man doch hinbekommen. Dieser Text hier hat jetzt schon 355.

Ja natürlich gibt es auch Kerle, die geil knipsen und schreiben können. Da bestätigen auch in der männlichen Bloggerwelt Ausnahmen die Regel. Aber wo sind diese Ausnahmen? Heute hier? Ich sehe keinen auf dieser Veranstaltung in Berlin. Es sind massiv wenige Jungs unter den Nominierten.

Bester Backblog, bester englischsprachiger Blog, bester Blog gesamt, bester Blog Nachhaltigkeit, bestes Foodfoto. In wenige Stunden wird es so sein, dass alle Preise von den Erikas dieser Welt abgeräumt werden. Eine Ausnahme bilden da die Pärchen-Blogs. Da darf ein Mann mitmischen und seiner Frau beim Bloggen helfen bzw. die Fotolampe halten. Also darf er auch mit zur Preisverleihung. Ist ja nur gerecht so.

Nein, ich weiß, ich tue uns Männern unrecht. Es ist vielleicht irgendwie so, dass wir anders arbeiten, als Mädels. Wir fotografieren nicht diese Scharf-Unscharf-Traumbildchen vom Kuchen. Wir knallen einfach knüppelhart ohne irgendwelche Weichzeichner oder Überbelichtungen auf unser Steak und gut ist. Real, ohne Filter, fertig.

Vielleicht können wir es aber auch nicht besser? Vielleicht haben wir nicht das Zeug und den Mumm, um bei so einem Wettbewerb zu bestehen? Oder es ist uns einfach egal und wir wollen uns nicht bei Awards mit anderen Bloggern messen? Wir haben zumindest eins gemeinsam mit den Mädels hier in Berlin – wir alle wissen:

 

Bloggen ist kein Wettbewerb. Bloggen ist Spaß.

 

Wir sind einsame Streiter und sitzen auf unseren Inseln und kochen vor uns hin. Wir gucken nicht links – nicht rechts. Wir sind nicht neidisch. Wir freuen uns über den Erfolg anderer mindestens genauso, wie über den eigenen und ehe wir uns mit einem anderen Blogger streiten oder nicht mehr mit ihm reden, fahren wir hin, drücken dem Kollegen ein Bier in die Kralle und schmeissen den Grill gemeinsam an. So ist das bei uns männlichen Bloggern.

Da alle bloggenden Jungs beim Grillen und Biertrinken sind, nimmt meine Kamera, da gegenüber an der Scheibe nur die Mädels dieser Welt auf, die in weniger als 4 Stunden kreischend auf dem Podium des Hyatt-Hotels stehen, sich einen Wolf freuen und den Siegerpokal aus Plexiglas in die Höhe recken.

 

Und ich…tja…ich werde in der ersten Reihe sitzen, alles live ins Internet streamen und mich mit jeder einzelnen Erika von Herzen freuen, dass sie gewonnen, dass Sie den zweiten oder dritten Platz abgeräumt hat. Ich werde es jedem einzelnen Mädel gönnen, mich freuen, wenn ich in glückliche Gesichter schaue und versuche den Moment mit der Kamera einzufangen.

 

Dann flieg ich heim…und werde spannendere Texte schreiben…werde bessere Bilder machen…interessantere Gerichte kreieren…Menschen helfen und sie unterhalten..und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann eine Kategorie, die ich nicht als Wettbewerb ansehe und bewerbe mich als Junge auf einen der Blog-Awards in weißer Voraussicht, dass ich von einer dieser verdammt guten Bloggerinnen auf die Plätze verweisen werde.

Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnerinnen und Gewinnern – wir sehen uns in Singapur.

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Jens

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