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Der Salat, das Feld und die Tüte – wie kommt alles zusammen?

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Wenn du meinen Instagram-Account abonniert hast, siehst mich ab und an beim Showcooking auf diversen Messen. So war ich zum Beispiel dieses Jahr unter anderem für die Bonduelle Deutschland GmbH auf zwei Messen unterwegs.

Bonduelle kennst du, oder? Muss ich da was erzählen? Am bekanntesten sind hier wohl die Longlife Produkte Mais und diverse Bohnensortenaus dem im Bereich Konserve und Tiefkühl. Die zwei anderen Sparten sind: frische Produkte (Freshcutsalate) und die Feinkost-Produkte, wie Suppen.


Ich will ja immer wissen, woher das Futter kommt, mit dem ich koche und was ich esse. Es lag also nichts näher, als die Salatproduktion des Kooperationspartners zu besuchen und das ich mir die Herstellung der Freshcut-Salate einmal genauer anschaue. Gesagt – getan!

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„Man findet keine Freunde mit Salat. Man findet keine Freunde mit Salat.“
Ich danke Bart Simpson für diesen Ohrwurm. Ich summe ihn permanent vor mich hin, während ich durch die Verarbeitungshalle der Bonduelle Deutschland GmbH in Straelen schlendere. Straelen – europäischer Knotenpunkt für …NIX. Tatsächlich. Nix …nix als Felder. Salat, Salat, Salat… 450 km entfernt von meiner Heimat, im niederrheinischen Nirgendwo, wachsen Unmengen an grünen Pflanzen und ich stehe gleich mittendrin.

Aber vorerst zurück zum illustren Schlendern durch die Salathalle …wobei …schlendern kann man nicht sagen. Ich schlürfe. An meinen Käsemauken trage ich Sicherheitsschühchen, umwoben von Plastikschutzüberziehern, darüber – den Beinen aufwärts schmiegt sich ein weißes Einwegstoffgewand an meinen Körper. Ein Haupthaarschutz, Mickey-Maus-Ohrschutz (falls mich ein Salat anschreit), einen Bauarbeiterhelm (falls mir ein Eisbergsalat auf den Kopf fällt), Gummihandschuhe (falls mir ein Salat die Hand geben will) und zu guter Letzt einen Barthaarschutz komplettieren meine Hochsicherheitsbekleidung.

So wie ich aussehe, finde ich sowieso keine Freunde, egal ob mit oder ohne Salat. Ja, hier wird Hygieneschutz groß geschrieben. Dieser geht weit über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. So überprüfen interne und externe Labore anhand regelmäßiger mikrobiologischer Analysen die Lebensmittelsicherheit.

Falls heute ein Kontrolleur unangekündigt ums Eck springt – ich bin bereit. Ich frage mich allerdings, ob die Hygieneschutzbestimmungen hier nicht gegen die Genfer Menschenrechtskonventionen verstoßen, so beschissen, wie ich ausschaue. Was tut man nicht alles für den investigativen Blogger-Journalismus? Ich gehe dahin, wo es weh tut. Und auch gerne ganz schnell wieder weiter.

Eingepackt wie Michelin the man schlürfe ich durch die 4 °C kalte Vorsortierhalle für Fresh-Cut-Salate. Ziemlich frisch hier – da hilft nur Bewegung. Also arbeiten die Salatmenschen hier wie fleißige Bienchen, damit die Haxen nicht kalt werden. Angefangen beim Wareneingang, allen Produktionslinien bis hin zum Versand ist hier alles norddeutsch kühl auf diese Temperatur mit permanenter Temperaturüberprüfung heruntergefahren.

 

Salat in Zahlen

Wie gesagt: hier wird schnell und viel gearbeitet. Schließlich gibt es jede Menge Grünkram von den maximal 7 km entfernten Feldern zu verpacken. In einer 7-Tage-Woche in 2–3 Schichten werden hier in der Nähe der holländischen Grenze im landwirtschaftlichen North Carolina von Deutschland sage und schreibe 10.500 Tonnen Salat im Jahr verpackt.
Wer einen Kopf, alternativ einen Taschenrechner zur Hand hat, kann das mal auf die Woche und den Tag runterrechnen. Moment, ich helfe dir: 202 Tonnen/ Woche ergo 29 Tonnen/Tag.

Krasse Salatnummer. Hier gehen auf 8 Produktionslinien 50 Millionen Salatbeutel im Jahr auf die Reise. Jetzt ist Salat nicht gleich Salat. Demzufolge werden in diesem einen Werk 220 Artikel aus 84 verschiedenen Salatmischungen gepackt.
Für Deutschland ist das Werk in Straelen aber nicht das einzige – im schwäbischen Reutlingen werden nochmal circa 12.500 Tonnen Salat im Jahr verarbeitet.

Wer futtert so viel Grünfutter?

Darf ich nochmal kurz auf 22.500 Tonnen Salat im Jahr zurückkommen? Wer um Himmels willen isst soviel Grünzeug? Zum einen geht jede Menge Salat an Großverbraucher wie Vapiano, McDonalds oder Burger King. Dann dürfen wir die Industrieverbraucher nicht vergessen und natürlich geht jede Menge Salat in den Lebensmitteleinzelhandel (Edeka, Rewe etc.).

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Ist das keimig oder was?

Ich rede ja gerne über Tabu-Themen und das am liebsten direkt vor Ort mit den Produzenten. Gerüchte sind nichts für mich – ich bin n Kerle und Jungs stehen nicht auf Tratsch. Wir wollen harte Fakten. Reden wir also über die Keimbelastung in den Fresh-Cut-Tüten.

Über die Hygienevorschriften müssen wir nicht mehr reden – du hast gesehen, wie albern man mich eingepackt hat. Haken dran.
Durch das Wachsen am Boden enthält der Salat grundsätzlich von Natur aus Bakterien. Das ist nun mal so.


Ich bin bei meinem Rundgang an der Salatwaschanlage vorbeigekommen – in Fachkreisen „Die Whirlpool-Salatschleuder“ genannt. So viel schwimmenden Salat habe ich noch nie gesehen. Das ganze Grünzeug war lustig am Seepferdchen machen. Worauf ich hinaus will: Bei der industriellen Verarbeitung wird besonders gründlich gewaschen und unter Schutzatmosphäre abgepackt: So wird bei Bonduelle der Salat während der Salatverarbeitung in drei verschiedenen Stufen gewaschen, wodurch möglichst wenig wertgebende Inhaltsstoffe verloren gehen.

Zunächst findet eine Grobreinigung im Vorwaschbecken statt, anschließend eine gründliche Reinigung im Eiswasserbecken mit Whirlpooleffekt und schließlich werden die Salate noch einmal sorgfältig mit reinem Eiswasser abgespült. Durch dieses dreistufige Vorgehen können die Bonduelle Salate, ohne zu waschen verzehrt werden und man spart Wasser. Letztendlich werden die Salate beim Verpacken vor der Verschwendung mit CO2 begast.
Mehr kann von Produzentenseite nicht gemacht werden. Chlor oder andere Chemikalien habe ich nicht gesehen und kommen laut Hersteller auch nicht zum Einsatz.

Lagert den Salat richtig!

Nachdem der Salat beim freundlichen Bauern von Nebenan geerntet wurde, dauert es maximal 3 Stunden, bis dieser seine Kreise im Whirlpool zieht. Keine 30 Minuten später ist der Kamerad verpackt und reisebereit. Wir reden hier von einer Lieferzeit von maximal 3 Tagen vom Schnitt bis zur Auslage im Lebensmitteleinzelhandel.

Kommen wir zu unserer eigenen Blödheit.
Jetzt liegt es am Verbraucher. Als Erstes gilt es das Mindesthaltbarkeitsdatum einzuhalten. Auch sollten wir darauf achten, die frischen Salate nach dem Einkaufen umgehend in den Kühlschrank zu legen. Eine dauerhafte Kühlung bei +2° C bis +7° C ohne lange Unterbrechungen ist der Schlüssel zu einem frischen Produkt.
Ich sage es euch ganz ehrlich und gerade zu: Wenn Keime an dem Salat sind, dann sind wir vermutlich selbst schuld, weil wir zu doof sind, ihn richtig zu lagern.

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Wieso muss immer dieses Plastik überall sein?

Jetzt muss ich aber unbedingt noch auf das Feld vom Bauern. Ich will das Wachsen vor Ort sehen. Mit Salat kenne ich mich ja aus. Ich berichtete bereits vor ein paar Monaten vom Salatgebiet der Fildern von einem Bauern, der die Salate in einem Stück anliefert. Ich lasse mir schließlich nicht vorwerfen, dass ich einseitig berichten würde. Neeee Freunde …so nicht.

Ich möchte auch gleich den Antiplastik-Fanatikern den Zahn ziehen. Lasst mich kurz klarstellen: Ich versuche Plastik zu vermeiden, wo es geht. Ernsthaft. Ich kaufe bestimmte Produkte nicht mehr, weil es alternative Produkte gibt, die keine Plastikverpackung haben. Ich schleppe sogar meine eigenen Verpackungen in unseren Lebensmitteleinzelhandel und verpacke dort mein Obst, Gemüse, Fleisch und Käse selbst. Also bitte erzählt mir nichts über Plastik und unsere Meere. Ich versuche da zu helfen, wo es nur geht. Aber beim Salat sehe ich echt ein Problem. Weder der geschnittene Salat in der Tüte noch der „Salat im Ganzen“ als Kopf, kommt ohne Plastik aus. Klar, der geschnittene Salat braucht irgend eine Verpackung, wo er reinmuss. Das hier zu Plastik gegriffen wird, liegt sicher zum einen an den geringen Kosten, hauptsächlich aber am Endverbraucher – an uns. Der Kunde will sehen, was er kauft. Er akzeptiert keine geschlossene Papiertüte – er will Transparenz bei der Verpackung. Also geht Stand heute nur Plastik. Leider.


Wieso ein Salatkopf allerdings eine Plastikverpackung braucht, entzieht sich jedem Verständnis. Aber auch hier liegt es meist am Endverbraucher. Gehen wir mal ein den Erdbeerbereich. Während Beeren nach Frankreich in Pappschälchen ohne Plastik versendet werden, besteht der deutsche Handel auf einem Plastikkörbchen mit Schutzhülle. Das liegt nur an uns selbst. Vielleicht müssen wir da mal unser Konsumverhalten überprüfen.
Ich frage mich auch, wieso ein Bioprodukt wie eine Gurke in Plastik eingepackt sein muss. Die Schale ist die natürliche Schutzhülle des Gemüses oder der Frucht! Auch hier gibt es eine einfache Antwort vonseiten der Hersteller: Bio muss im Handel klar von der normalen Ware getrennt sein. Da es weniger Bio-Ware als „Normalware“ gibt, verpackt man Bio in Plastik. Irrsinnig, oder? Ich bin der Meinung, dass eine klare Trennung auch durch Kennzeichnung per lebensmittelechter Selbstklebeetiketten oder per Laser geschehen kann.

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Ab aufs Feld

Ich stehe in einer Erdrinne. Meine Füße stecken nun in grünen Gummistiefeln und ich bin umringt von Salatblättchen. Ich gehe mal eben meiner Arbeit für heute nach und schmeiße 10 Kilogramm Saatgut auf den Acker, der ungefähr ein Hektar groß ist. Ja ich mache das wie ein Blitz, schließlich habe ich die Siebenmeilen-Gummischlappen vom kleinen Muck an. Aus diesem Saatgut erwachsen in sechs Wochen ungefähr neun Tonnen Mischsalat.

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Andere Salatsorten, wie zum Beispiel der Eisbergsalat werden erst ein paar Wochen vorgezogen und dann als Jungpflanze, man könnte sagen als Teenagersalat, auf das Feld gepflanzt.


Hier seht ihr eine Erntemaschine im Ruhezustand. Es war halt irgendwie keine Ernte, als wir da waren.

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Also haben wir den Salaten beim Wachsen zugeschaut, stylische Salat-Influencer-Picture geschossen und sind dann zurück zum Essen auf Schloss Wissen gefahren. Man kann nämlich jede Menge geilen Scheiß aus den Bonduelle-Produkten zusammenzimmern.

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Schloss Wissen

Also haben wir den Salaten beim Wachsen zugeschaut, stylische Salat-Influencer-Picture geschossen und sind dann zurück zum Essen auf Schloss Wissen gefahren. Man kann nämlich jede Menge geilen Scheiß aus den Bonduelle-Produkten zusammen zimmern.

 

Ich sage Danke an Bonduelle Deutschland für diese Einladung und die Offenheit gegenüber unbequemen Fragen und ich möchte diesen Bericht mit der Vision 2025 von Bonduelle abschließen. An ihr sieht man, welche Ambitionen dieses Unternehmen mit seinen 10.000 Mitarbeitern weltweit hat:

„We want to be the world reference in well living through vegetable products.“

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