BlogFischHerzhaftes

Thailändischer Papaya-Salat toktok

2011 – Thailand – in einem kleinen Dorf – ich wiege über 100 Kilo, ich hatte die Idee zu dem Kochhelden-Blog noch nicht und ich weiß auch noch nicht, daß ich in den kommenden Monaten über 20 Kilo abnehmen werden und mein Leben in Richtung gesunde Ernährung verschiebe.

 

Mein Blick senkt sich Richtung Rasen. Ich sitze im Schneidersitz auf dem Boden unter einem alten Baum, um dessen Stamm bunte Bänder in fröhlichen Farben gewunden sind. Aufgeregt tanzen die Farbschnüre im lauen Wind und bilden einen tollen Kontrast zum blauen Himmel.

Ein Farbspiel aus gelben und roten Früchten schimmert in der Sonne auf meinem Teller, der auf meinem Schoß steht. Ich sitze mit Gabel und Löffel im Essen stochernd in einem kleinen ursprünglich gebliebenen Ort auf der thailändischen Insel Kho Tao, auch die Schildkröteninsel genannt, inmitten von bunten Hütten.

Heute ist Markt und jeder im Dorf hat seine Stand aufgebaut. Es wimmelt nur so von Früchteständen und kleinen Garküchen. Der alte Mann vorne links an dem Spießchenstand, an dem es das leckere Hühnchen gibt (er sagt zumindest, es sei Hühnchen und ich glaube ihm), erzählte mir in dem typisch gebrochenen melodischen Thai-english, dass er seine Garküche von seiner Ex-Frau hat. Diese sei mit einem Europäer durchgebrannt, aber er ist froh, weil sie eh eine Hexe war und ihn immer mit einem Knüppel verdroschen hat. Jetzt habe er die beste Garküche mit Sate-Spießen auf der ganzen Insel.

Ich muss lachen und die halbe Papayascheibe fliegt mir schier aus dem Mund. Lässt sich von seiner Alten verdreschen und zieht die Garküche ab und ist so glücklich mit seinem Leben, dass ich mich für Ihn freue. Er sieht immer das Positive im Leben, egal was ihm widerfahren ist.

Spielt Dir das Leben sauer wie eine Zitrone mit, frage nach Tequila. Solche Menschen liebe ich.

 

 

Ich schiebe meinen Strohhut, den ich ein paar Tage vorher auf der FullMoon-Party auf der Nachbarinsel Kho Phangan von meinem Reisebegleiter und bestem Freund Steff geschenkt bekommen habe, aus dem Gesicht, wische mir den Schweiß von Stirn und Nacken und blinzel durch meine Sonnenbrille hinüber zur anderen Straßenseite zu den Verkäufer für gefälschte Unterbuxen. Der Gauner hat mir vorgestern 12 Touri-Nepp-Unterhosen von Gucci, Calvin Klein und sonstigen Modedesignern verkauft – zwölf zum Preis von zehn. Und alle zwei Nummern zu klein. Juhu. Das ist auch der Grund wieso ich wieder in diesem Dorf bin.

 

 

Ich habe mit dem kleinen Motorroller eine Inselrundfahrt gemacht und bin an phantastischen Orten vorbei gekommen. Eher durch Zufall. So sieht man die besten Orte. Nach stundenlanger Fahrt durch den Dschungel steht man plötzlich vor goldenen Tempeln und weiß gar nicht, wie einem geschieht. Eben noch an einem Strand und schon steht man vor einer bambusbehangen Hütte und flachst mit den Einheimischen. Hier trägt keiner eine Uhr und auch ich habe mein Zeiteisen nach den ersten Nächten in Bangkok abgelegt und in meinem Rucksack weit unten verstaut.

 

Bilder meiner Reise flashen wie kleine Blitze durch meinen Kopf, während ich über meinem asiatischen Essen sitze und die wohltuende Schärfe in allen Winkeln meines Mundes zulasse, auch wenn es mir den Schweiß aus allen Poren treibt.

 

 

Klatsch…da hat es wieder einen dieser nervigen Moskitos in meinem Nacken zerfetzt. Ich bin sicher, ich habe diese miesen kleinen Kameraden bald eigenhändig ausgerottet. Zumindest auf dieser Insel dürfte es kaum noch Viechzeug geben.

Mein Teller ist leer. Ich nehme noch einen Schluck aus meiner Wasserflasche, stehe auf und gehe langsam zu dem alten Mann vorne links mit seiner Ex-Frau-Garküche. Ich gebe ihm den Teller zurück, nicke ihm freundlich zu, versichere ihm, dass er tatsächlich die beste Garküche mit der weltbesten Papayasalatkreation besitze – weltweit. Nach diesem durchaus ernst gemeinten Kompliment versuche ich ihm mit einem genauso bekloppten Thai-Englisch-Singsang das Rezept zu entlocken.

 

 

Tatsächlich verrät mir dieser thailändische Tattergreis sein Rezept. Er sagte: “Nutze das Rezept und tue Gutes“

Damals wusste ich nicht wirklich, was er meint. Mir kam das irgendwie so wie eine altchinesische spirituelle Touri-Nummer vor. Kitschig..aber irgendwie trotzdem abgefahren. Der Alte lächelte mir zu, seine Augen sah man kaum in dem mit Falten übersäten Gesicht. Der tellerförmige typische Strohut wippte auf seinem Schädel. Wenn er mir jetzt noch Kung-Fu beibringt, ist das ja wie im Film.

Ich grinse mit ihm, geb ihm die Hand, verneige mich und verlasse den Früchtemarkt Richtung Abendsonne.

 

 

Genießt den Papayasalat des alten Mannes von Ko Tao….

 

 

 

Zutaten für 4 Personen: 

  • 1 mittelgroße unreife grüne Papaya
  • 4 Möhren
  • 4 lange asiatische Schlangenbohnen
  • 3 Kirschtomaten 
  • 4 EL Cashewnüsse 
  • 2 Knoblauchzehen 
  • 1 Limette 
  • 2 TL Chilipaste (ich hab rote genommen)
  • 1 EL Rohrzuckerersatz
  • 1 EL Fischsauce oder eine günstigere Variante
  • 10 Shrimps
  • 1 Prise Salz

Zubereitung:

  1. Die Papaya und Möhrchen schälen und halbieren
  2. Bei der Papaya die Kerne mit einem Esslöffel herausschrabbeln und wegkicken 
  3. Papaya auf einer Gemüsereibe in Stifte schrubbeln oder mit einem Messer in 5 cm lange Streifen schneiden
  4. Bohnen 4 min in Salzwasser kochen
  5. Tomaten vierteln
  6. geschnittene Tomaten, Papaya und Bohnen vermengen
  7. Cashew hacken, Knoblauchzehen schälen. Die Limette auspressen. 
  8. Chilipaste, 2 EL Nüsse, Knoblauchzehen, Palmzucker, Fischsauce, Shrimps und einer Prise Salz zusammen mit 1 EL von den Papayastreifen in einem Mörser zu einer Paste vermörsern 
  9. Diese Paste mit der Papaya, den Bohnen, den Tomaten vermischen und mit dem Limettensaft abschmecken. 
  10. 40 Minuten durchziehen lassen und mit restlichen Cashew bestreuen sowie die Schlangenbohnen als Dekoration anlegen 

 

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2 Comments

  1. 4. Mai 2014 at 09:52 — Antworten

    Klasse Geschichte und toll geschrieben!
    Liebe Grüße,
    bine

    • 4. Mai 2014 at 09:55 — Antworten

      Vielen Dank Bine…*Smile*

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