Eigentlich sollte dieser Artikel das NoGo der Woche werden. Irgendwie ist aber was ganz anderes draus geworden.

 

Am Wochenende gab es bei uns ein neues Kochvideo zu einem veganen Gericht.

Als Vorbereitung haben wir uns zum Thema kundig gemacht und vegetarische sowie vegane Lebensmittel unter die Lupe genommen. Neben Unmengen an Wurst- und Fleischnachbauten fanden wir in diesem Bereich ein kurioses „Ersatzlebensmittel“.

 Es handelt sich bei unserem Fundstück um einen „VLEISCHSALAT VOM TOFUTIER“

Och Gott, dass arme Tofutier wurde geschlachtet. Was soll das denn? Macht man sich hier lustig über die armen Fleischesser?

Das ging gestern schon pressetechnisch schief, als die deutsche Nationalmannschaft einfach nur mal lustig den Weltmeisterschaftstitel feiern wollte.

Was passiert? Sämtliche ach so schlauen Tageszeitungen betiteln den Gauchotanz als politisch inkorrekt.

Dazu sag ich ganz politisch inkorrekt:

„Einfach Fresse halten und uns Deutsche mal feiern lassen, anstatt permanent Schläge in unseren gebeutelten historischen Nacken zu klopfen.“ Ja, die Jungs sind mit dem „Siegerflieger“ gekommen, die Maschine hieß LH2014 und ja, wir Kochhelden sind auch stolz auf diesen WM-Titel und das wir Deutsche sind. Das darf man nach 24 Jahren Durststrecke auch mal zelebrieren und ja, dass muss jemand zahlen und wenn es jemand zahlt, dann will derjenige auch sein Logo sehen.

Meine Güte, man muss ja nun nicht immer auf allem rumhacken, nur damit man wieder eine Story hat.

 

Gut ok, man könnte diesen Vleischsalat auch einfach „Tofusalat mit Gurken, Mandeln und Zwiebeln nennen“.

Aber lassen wir diesen Kalauer mit dem Tofutierchen also mehr oder weniger lustigen Gag durchgehen und zahlen 5 € in die Kalauerkasse.

Die Nährwerte können sich im Bereich von LowCarb sogar sehen lassen. Das erfreut unser Gemüt.

 

Nichts desto weniger frage ich mich, vor allem wenn ich vor einem Kühlschrank mit Ersatzfleischscheiben stehe, wieso man um alles in der Welt als veganer Lebensmittelhersteller permanent versucht, Fleisch- und Wurstware nachzubauen.

 

Kein Tofuwürstchen dieser Welt, kein Sojahacksteak wird jemals an den Geschmack eines Holzfällersteaks oder Rinderfilets heran reichen. Is so..sorry…ich hab den Selbstversuch gewagt und hab Tofu gegessen – geräucherten.

Es schmeckt tatsächlich wie Steak – nicht!

 

Was noch schlimmer ist – wieso versucht man so etwas überhaupt, sich mit Wurst und Fleisch zu vergleichen?

Wieso geht man diesen Vergleich überhaupt ein? Ich will mich vegan oder vegetarisch ernähren. Soweit gut und nachvollziehbar.

Daumen hoch – wir sind absolut dafür weniger Fleisch in die Nahrungsaufnahme einzubauen. Wenn jeder Fleischesser sich darauf beschränken würde, nur einmal in der Woche tierische Fleischware in seine Ernährung einzubinden, würde das vielen Tieren ein längeres Leben und bessere Zuchtbedingungen bescheren.

 

Ganz klar sollte man auch mal über die Fleischqualität reden.

Was erwarten wir eigentlich, wenn wir jede Woche von Sonderangeboten im Fleischbereich überrannt werden? Es kann nicht gut sein, wenn 400g Hack nicht mal 2€ kostet.

Leute wacht bitte auf!!!

Wer solches Fleisch kauft, bietet einen hervorragenden Nährboden für Massenzuchten, wo Gänse gestopft, Hühner totgetrampelt in überfüllten Ställen liegen und kleine Ferkel brutal auf dem vollgekoteten Stallboden erschlagen werden.

Was für eine komische Gesellschaft sind wir denn eigentlich, dass uns das Leben eines Tiers so wenig wert ist?

Sind wir mal ehrlich. Wir tanken gutes Benzin in unsere Autos. Jede Woche und jeden Tag, schaffen es regelmäßig in die Werkstatt und zur Wartung. Wieso tun wir mit unserem Körper nicht genau das gleiche? Schiebt in euren „Körperboliden“ nur das Beste, was Mutter Natur zu bieten hat und nicht die ganzen Abfälle.

Erst wenn jeder kapiert, dass Qualität auch etwas mehr kostet und bereit ist, eine Kippenschachtel oder einen Kasten Bier weniger zu kaufen und stattdessen das Geld in gesunde Lebensmittel und qualitativ hochwertiges Fleisch zu investieren, erst dann wird es mit diesen Lebensmittelskandalen aufhören.

Ich befürchte, dies werden wir nicht mehr erleben.

 

Oh, ich bin etwas vom Thema abgeschweift und habe mich in Rage geschrieben. Sorry. Zurück zu den Fleischnachbauten.

Will ich in meiner Ernährung permanent an den Geschmack von Fleisch erinnert werden?

Sicher gibt es Menschen, die den Geschmack von Fleisch mögen, aber aufgrund der Tiertötung bzw. unmöglicher Massenhaltungen sich zu einer vegetarischen Ernährung entschieden haben, aber dennoch den Geschmack eines Steaks nicht missen möchten.

Das ist für mich ein akzeptabler Grund.

 

Aber dennoch würde ich dazu tendieren, Gerichte zu kochen bzw. Lebensmittel zu kreieren, die nicht vergleichbar mit dem Fleischbereich sind. So fehlt mir dann auch nichts. Vielleicht können wir in der Zukunft hin und wieder eine Hilfe für Euch sein und ein veganes und vegetarisches Gericht aus dem Ärmel schütteln, welches auch noch gesund ist. Das ist uns ein großes Anliegen. Oft sehen wir vegane und vegetarische Gerichte, die leider in keinster Weise gesund sind. Da sollten wir mal ansetzen.

Was meint Ihr?

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Jens

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6 Comments

  1. Nadja Luckert
    17. Juli 2014 at 09:32 — Antworten

    Guten morgen ihr Kochhelden…!
    Ich bin oft auf Eurem Blog (der echt spitze ist und immer sehr amüsant zu lesen ist 🙂 )und eigendlich immer ein stiller leser, aber jetzt muss ich mich auch mal zu wort melden, weil ihr mir soooooooooooooooooooooooooooo aus der Sele geschrieben habt….!
    Ich selbst bin Vegetarier und koche und backe leidenschaftlich gerne Vegane Sachen. Vegan total gerne, weil ich es unheimlich spannend finde, wie toll man tierische Sachen Veganisieren kann (mit Hafer, Mandel, oder Sojamilch, mit Reiscuisine als Sahne Ersatz und Bananen zum backen als Ei Ersatz. Butter brauch ich auch nicht, ich nehme lieber Vegane Magarie.)
    Ich bin Vegetarier, weil ich mich ekel auf einem toten Tier rum zu kauen… warum dann ersatz Produkte? Wenn ich Vegetarier bin und keine toten Tiere essen möchte, warum dann ein Produkt, was aussieht und schmeckt wie ein totes Tier? Das ist für mich einfach unverständlich…!
    Meine Familie (Lieber Gatte und 2 liebe Kinder…. naja, machmal auch nicht… 😉 ) sind keine Vegetarier… sie müssen aber essen was ich koche und das ist numal Vegetarisch oder Vegan. Da ich als Mutter und super liebe Ehefrau großen einfluß auf die Ernährung meiner Familie habe, gehe ich einmal die Woche zu unserem Fleischer im Ort! Der bekommt seine Tiere aus der Region. Sie werden von ausschließlich von einem Hof bezogen, der die Tiere mit hofeigenem Futter füttert. Man bekommt dort immer wieder Handzettel, wo draufsteht wie die Tiere untergebracht sind und wie lange sie zum Schlachter unterwegs sind ( 5 Minuten). Ich bin keiner, der andere bekehren möchte (auch meine Familie nicht), aber wenn ich so was gegen die Massentierhaltung tun kann, mache ich das auch! Ich würde NIE Fleischprodukte beim Discounter kaufen!!! Da kann doch was nicht richtig laufen, wenn 1 Kilo Paprika 2,99 Euro kostet und 1 Kilo Fleisch (besonders Wurst) gerade mal 1,50 Euro….!
    Das musste mal gesagt werden…. Ich wünsche Euch noch einen schönen Donnerstag…. ich mach jetzt gleich Veganes Mittagessen 😉 Heute gibt es was leichtes : Kichererbsen Salat, Pfannenbrot und selbstgemachter Paprika- Walnuss Dipp <3
    Ihr dürft mich gerne mal auf meiner Facebook Seite besuchen… Ich backe da auch Vegane Sachen (auch mit dem Ziel Nichtveganer zu überzeugen wie toll es auch sein kann Vegan zu backen… 😉 )
    https://www.facebook.com/ZuckerfeesTorten?ref_type=bookmark
    Viele Grüße Nadja (alias Zuckerfee <3 )

  2. 17. Juli 2014 at 09:49 — Antworten

    Sehr schön. Daumen hoch. Und zwar beide.

  3. 17. Juli 2014 at 10:37 — Antworten

    Habe mich Ende letzten Jahres auch schon drüber in meinem Blog aufgeregt. Diese Namensgebung muss nicht sein und ist für mich absolut sinnfrei. Man könnte hier auch Doppelmoral unterstellen, aber soweit möchte ich jetzt doch nicht gehen. Jeder soll das essen, was er mag, soll es dann aber auch beim richtigen Namen nennen.

  4. 17. Juli 2014 at 12:59 — Antworten

    Passt , wackelt und hat Luft !
    Liebe Grüße
    Jutta

  5. 17. Juli 2014 at 13:54 — Antworten

    ich glaube, tofuwürstchen, tofusteak etc ist lediglich der missglückte versuch, tofu als „normales“ lebensmittel darstellen zu wollen. gewürzte tofutaler klingt eben eher immer noch nach bio-öko-hippie-essen, während das wort „burger“ ja irgendwie etablierter ist und nach neuzeit klingt. viele haben eben immer noch berührungsängste mit tofu – denen fällt es sicher leichter, wenn zumindest der zweite teil des namens etwas bekanntes darstellt. das marketing versucht eben mit allen mitteln, käufer zu generieren. unter’m strich: doof. und ich glaube, dass leute, die sich mit der veganen oder vegetarischen ernährungsweise beschäftigen, solche prdukte eher weniger kaufen. aber wenn nachbar müller mit allen grillen will und es auch dem veganen lieschen recht machen möchte, kauft er garantiert die tofubratwurst. denn da weiß er ja, was er hat. 🙂
    alles in allem aber wieder ein prima artikel!
    herzliche grüße
    die frau s.

  6. […] Jetzt aber zum Gericht. Vor wenigen Tagen haben wir eine kleine Welle losgetreten auf unserem Blog, die sich dann auf unserer Facebookseite sehr schön in einen konstruktiven Meinungsaustausch ergoss. Es ging hierbei um diesen kleinen Artikel mit dem Vleischsalat vom Tofutier. […]

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