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Hunger und die Lebensmittelverschwendung

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit haben nicht genug zu essen.
Davon hungern 870 Millionen Menschen.

Diese zwei Zahlen muss man erstmal verdauen.
Es tut mir leid, dass ich dich zur Weihnachtszeit mit diesem Thema belästige. Nein, eigentlich tut es mir nicht leid. Ich finde dieses Thema ist so wichtig, dass es unmittelbar mit einem weiteren Thema eng verbunden ist:

Lebensmittelverschwendung

 

Wer mich kennt und mich bei Events, auf denen ich koche, erlebt hat, weiß, dass ich immer daran interessiert bin, dass die Lebensmittel, die nicht benötigt werden eine Verwendung finden.
Ich habe auch schon mit der WHO, der Welthungerhilfeorganisation der Vereinten Nationen hier auf dem Blog zusammen gearbeitet und da mir dieses Thema wirklich am Herzen liegt, bin ich sehr glücklich, ein Teil der AO WASTE LESS – Challenge zu sein.
Bei dieser Challenge geht es darum, effizienter zu kochen, Lebensmittel weiter zu verwerten und eine Woche darauf zu schauen, wieviel Lebensmittel-Müll man tatsächlich produziert.

 

Pro Jahr werfen wir Deutsche 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weg.  Das heißt, jeder von uns tritt ca. 81 Kilogramm im Jahr in die Tonne. Auf den Tag runter gerechnet reden wir von 220 Gramm am Tag und 1,6 Kilogramm in der Woche.
Das sind Gewichtszahlen. Das tut nicht so weh – ja gut 220 Gramm am Tag. Rechnen wir das in Geld um, stehen im Jahr 240€ zu Buche, die jeder von uns weg wirft. Wenn man das sieht, musste ich kurz schlucken. In unserem Zwei-Personen-plus-Kater-Haushalt kommt somit einiges zusammen, was ich sicher anders ausgeben könnte.
Mein Challenge-Ziel war also klar gesteckt: Ich bleibe unter 1,5 kg Lebensmittelmüll in einer Woche.

 

Was wird weg geworfen?

Wenn ich eine Herausforderung annehme, bereite ich mich auch darauf vor. Ich habe mich also schlau gemacht und auch meine Lebensmittel eingeteilt und gemessen, was ich weggeworfen habe.

Folgende Verteilung ergab sich:

  • 15% Backwaren
  • 9% Fleisch/Fisch
  • 15% Milchprodukte
  • 56% Obst und Gemüse
  • 5% Mahlzeiten

Lebensmittelverschwendung - www.kochhelden.tv

Wir sind eine Wegwerfgesellschaft

Das Verschwenden von Lebensmittel startet bereits auf dem landwirtschaftlichen Feld. Nur das hübsche, perfekt geformte Gemüse schafft es und in die hell beleuchteten Regale der Supermarkt-Ketten. Ist eine Zucchini oder Gurke zu krumm, ist eine Möhre mit einer anderen verwachsen, hat ein Apfel einen Einschluss, segelt das gute Obst und Gemüse auf den Müll. Form, Farbe und Größe senken den Preis, weil der Verbraucher nur einwandfrei aussehende Ware kaufen möchte.
Wieso werfen wir Lebensmittel weg?

Ganz einfache Antwort: weil wir es uns leisten können! Kurz nach dem Krieg machten die Lebensmittelausgaben noch circa 60% des Einkommens aus. Man verdiente nicht viel, es gab nicht viel – Nachfrage und Angebot regelten Preis nach oben.
Ein Stück Fleisch war nicht für jeden erschwinglich. Es hieß nicht umsonst „Sonntagsbraten“. Fleisch war eine Delikatesse und so wurde sie auch behandelt. Was passiert heute? Wir haben aufgrund von Massen-und Überproduktionen einen Preisverfall nicht nur im Fleischpreis-Sektor. Wie kann es sein, dass wir im Supermarkt ein Kilogramm fertig mariniertes Fleisch aus Argentinien für 2,50 € oder eine Grillbrutzel-Party-Zusammenstellung 3 kg für 3 € kaufen können? Da kann keine Qualität mehr drin stecken.

Ich frage dich, was die Tiere wohl zu fressen bekommen haben? Ich frage dich, was nach Abzug aller Aufzuchts-, Fütterung- und Transportkosten noch an Qualität bei so einem Lebensmittel hängen bleibt? Die Antwort kannst du dir selbst geben.
Die Spirale geht leider weiter – wieviel Skrupel haben wir, ein Fleisch weg zu werfen, dass so wenig gekostet hat? Lebensmittelkosten machen heute unter 10% unseres Einkommens aus. Würde das Stück Fleisch 40 € anstatt 4 € kosten, würden wir wohl anders damit umgehen.

In der Gastronomie haben wir leider ein ähnliches Problem. Hier reden wir nicht von kiloweiser Lebensmittelvernichtung, sondern wir reden hier von Tonnen. Das ist allerdings meistens nicht in der Hand des Gastronomen, sondern hier greifen Hygiene-Vorschriften, die ein solches Vorgehen erfordern.

 

Fazit:

Nicht nur aufgrund des weltweiten Ernährungs- und Welthungerproblems, sondern auch aufgrund der fallenden Qualität unserer Lebensmittel ist ein Umdenken dringend nötig!
Im egoistischen aller Fälle reduziert man seinen Lebensmittelmüll nicht für jemand anderen, aber dann doch wenigstens für seinen eigenen Geldbeutel.
Deshalb habe ich die ultimativen Tipps für die Reduzierung vom Lebensmittelmüll zusammen gestellt:

 

Schweinebäckchen geschmorrt - www.kochhelden.tv

 

Die Top-Tipps

Verbrauchsdatum versus Mindesthaltbarkeitsdatum

Bitte beachtet die Verpackungsangaben und versteht den Unterschied von Verbrauchsdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum. Nicht jedes Lebensmittel ist automatisch ungenießbar, nur weil ein Datum abläuft.
Verbrauchsdatum: Gibt die Frist an, bis wann ein Lebensmittel verbraucht werden muss. Danach ist es meistens gesundheitsschädlich und sollte auf keinen Fall mehr verzehrt werden. Eier sind zum Beispiel ca. 25 Tage haltbar. Danach bitte nicht mehr essen, da dies gesundheitsschädlich sein kann. Hierzu gibt es auch den Eier-Frischtest von mir.

 


Mindesthaltbarkeitsdatum: Gibt an, bis wann ein Lebensmittel mindestens haltbar ist. Das Lebensmittel kann auch einen gewissen Zeitraum danach noch verzehrt werden, ohne gesundheitliche Schäden zu verursachen. Es kann sein, dass die Qualität des Produktes nach dieser Frist etwas niedriger ist.

Check also regelmäßig das Datum auf der Packung Deiner Lebensmittel und verbrauche zuerst die älteren Produkte. Schiebe die frischen Produkte im Kühlschrank (KEYWORD) nach hinten und ziehe die älteren nach vorne. So verlierst du nie den Überblick.

 

Clever einkaufen

Zum Thema clever einkaufen gehören mehrere Aspekte. Der wichtigste ist die Einkaufsliste. Entscheide daheim, was Du in den nächste Tagen essen möchtest und stelle danach Deine Liste auf.

Plane nicht mehr als 3 Tage im Voraus, sonst kaufst Du zu viel auf Vorrat und es geht dir wieder kaputt.
Kauft man für weniger Tage ein, ist das Gemüse immer frisch. Der Einkauf wird automatisch weniger und mit einer Liste ist man nicht so anfällig für spontane Angebotskäufe. Bei „Kauf 3 – statt 2“-Angeboten fliegen meisten 2 Produkte in den Müll.
Gehe nie hungrig einkaufen! Das vermeidet Sportankäufe und auch Hungerkäufe von Lebensmitteln.
Benutzt einen kleinen Korb zum Tragen, anstelle eines großen Einkaufwagens zum Schieben. Ja, das ist unbequemer, reduziert aber auch den Einkauf auf das Nötigste und es verbraucht Kalorien.

 

Richtig portionieren

200 Gramm ist die maximale Portionsgröße/Person, die man für Fleisch oder Fisch rechnen sollte. Beilagen wie Reis berechnet man mit etwa 70 Gramm und für Nudeln, Kartoffeln und Gemüse ist es absolut ausreichend 150 ^g zu planen.
Somit entstehen auch nicht so riesige Portionen, die niemand aufessen kann. Versucht mal die Tellergröße zu verändern. Serviert mal auf einem kleinen Teller das Essen. Je größer der Teller ist, um so eher denkt das Hirn, es hat noch Hunger.

Dies ist natürlich als Richtwert zu sehen. Versuche mit diesem Wert einzukaufen. Merkst Du, dass diese Werte zu hoch oder zu niedrig für dich sind – passe diese beim nächsten Einkauf an. Jeder menschliche Körper is(s)t anders, wir haben eine unterschiedliche Leistungsbilanz über den Tag gesehen – der eine ist ein 120 kg Bauarbeiter, der den ganzen Tag schwer arbeitet – velleicht bist du eine zierliche Dame in einem Büro. Da ist klar, dass wir anders essen.

 

Korrekte Lebensmittellagerung

Werden die Produkte richtig gelagert, halten sie auch länger frisch.
Achte darauf, dass nicht jedes Obst und jedes Gemüse in den Kühlschrank soll. Ich merke mir das ganz einfach. Alles was hier aus unserer Region kommt, bevorzugt meistens eine Temperatur von 5° C im Kühlschrank. Obst und Gemüse aus wärmeren Gefilden, sind eher bei Raumtemperatur zu Lagern.

Gemüse gehört meistens in den Kühlschrank. Tomaten, Kartoffeln, Auberginen und Kürbisse gehören da aber nicht dazu.
Der Kühlschrank sollte zwischen 4° C – 8° C Temperatur haben und immer sauber und hygienisch sein. Viele Hausgeräte-Hersteller arbeiten hier mit Bakterienfiltern im Kühlschrank. Fotosysteme in den neuen Geräten informieren dich als Verbraucher auch beim Einkaufen darüber, was aktuell noch in deinem Kühlschrank vor sich hin vegetiert.

Kauft beim Bauern das hässliche Gemüse

Wie bereits erwähnt, schafft es meistens nur das gutaussehende Gemüse und Obst in den Supermarkt. Die hässlichen, genauso leckeren Teile landen auf dem Müll. Auch auf dem Transportweg aus anderen Ländern geht massig Gemüse und Früchte kaputt.
Das passiert bei einem einheimischen Bauern nicht und ich garantiere dir, das du von der Qualität der ländlichen Produkte begeistert sein wirst.

 

Foodsharing und die Tafel

Ihr könnt wirklich nichts mehr mit dem Lebensmittel anfangen und diese sind noch in Ordnung? Dann ruft DIE TAFEL an oder gebt die Produkte zum FOODSHARING.

Ungewöhnliche Zutaten zum Eingefrieren

Wenn du merkst, du kannst ein Lebensmittel nicht verbrauchen, dann gefrier es ein. Ich wusste bis vor kurzem nicht, dass man auch folgende Lebensmittel eingefrieren kann:
Milch, Käse, Früchte, Joghurt, Reis, Pilze, Sahne

 

Reste wiederverwerten und recyceln

Sind Essensreste nicht mehr zu verwenden, wandern diese, wenn man einen eigenen Garten hat, auf dem Komposthaufen. Das ergibt einen tollen Dünger.

Aus vielen Resten, vor allem Gemüse und Knochen kann man Brühe kochen.

Wenn etwas nicht aufgegessen wurde, kann man oft den Bestandteil noch verwenden, um ein neues Gericht damit zu kochen.
Ich habe Euch heute ein „wiederverwertes“ Essen gekocht. Wir als Zwei-Personenhaushalt haben keinen kompletten Kürbis gegessen. Also verwende ich die andere Hälfte heute für ein Püree. Auch der Blumenkohl wurde am Anfang der Woche bereits eingesetzt und ein paar Röschen sind übrig. Diese überziehe ich mit einem Käse und kombiniere alles mit einem Stück Fleisch. Hier habe ich Schweinebäckchen gewählt.
Ich bin ein großer Fan davon, dass wenn wir Tiere schon zur Nahrungsaufnahme töten, möglichst viel vom Tier verwendet wird. Oft entscheide ich mich beim Metzger dafür auch ein vermeidlich unattraktives Stück Fleisch zu kaufen. Es muss nicht immer das Filet sein. Aus anderen Teilen der Tiere kann man auch ganz wunderbare Essen zaubern und so dazu beitragen, nicht so viele Lebensmittel auf dem Müll landen.

 

Schweinebäckchen geschmorrt - www.kochhelden.tv

 

Zutaten für 4 Personen:

  • 800 g Schweinebäckchen
  • 2 Zwiebeln
  • Möhren
  • frische Knoblauchzehen
  • 2 EL Braten-Oliven-Öl
  • 2 EL Tomatenmark
  • 300 ml Rotwein
  • 400 ml Rinderfond
  • 6 Wacholderbeeren
  • 6 Pfefferkörner
  • Lorbeerblätter
  • Pfeffer aus der Mühle
  • Salz

 

  • 1 Hokaido-Kürbis
  • 1 Dose Kokosmilch
  • Chiliflocken

 

  • 1 Blumenkohl, in kleine Röschen geschnitten
  • 200g Parmesan, gerieben

 

Zubereitung Schweinebäckchen:

  • Die Schweinebäckchen waschen und trocken tupfen.
  • Die Zwiebeln, die Möhren und den Knoblauch schälen.
  • Bei den Zwiebeln, die einzelnen Schalen ablösen, sodass Spalten entstehen
  • Die Möhren würfeln

 

 

  • Den Knoblauch klein schneiden.
  • Die Bäckchen in heißem Öl von allen Seiten goldbraun anbraten.
  • Anschließend das Fleisch aus dem Topf nehmen und das Gemüse anbraten, das Tomatenmark unterrühren und mit 200ml Wein ablöschen.
  • Den Wein einreduzieren lassen und anschließend den rest Wein mit dem Fond einfüllen.
  • Das Fleisch wieder in den Topf geben und ein bißchen Salz hinzufügen.
  • Wacholderbeeren und Pfefferkörner im Mörser zerkleinern und mit dem Lorbeerblättern zur Soße geben.
  • Drei Stunden mit Deckel schmorren lassen. Ab und zu einmal umrühren.
  • Abschmecken und zusammen mit dem Püree und den Blumenkohlröschen servieren.

 

Zubereitung Püree:

  • Hokaidokürbis öffnen und entkernen
  • Die Kerne in einer Pfanne ohne Öl anrösten
  • Den Kürbis in Stücke schneiden, in einen Topf mit Kokosmilch geben und für 15 min leicht kochen.
  • Mit einem Pürrierstab den Kürbis im Topf zu einem homogenen Püree verarbeiten.
  • Das Püree mit Salz und Chiliflocken abschmecken

 

Zubereitung „gekäster“ Blumenkohl:

Röschen in einer Wokpfanne mit Kokosfett heiß anbraten, bis sie golfbraun sind

Anschließend etwas Parmesan über die Röschen reiben und sofort die Röschen in der Pfanne schwenken, damit der Käse nicht anbraten kann und der Käse in alle Blumenkohlritzen laufen kann.

Diesen Vorgang wiederholen, bis sich eine angenehme Käseschickt über den Käse gelegt hat und der Blumenkohl bissfest ist.

 

Schweinebäckchen geschmorrt - www.kochhelden.tv

 

Ganz zum Schluss muss ich gestehen, dass ich meine persönliche AO Waste Less Challenge verloren habe. Ich habe mehr als 1,6 kg Lebensmittelmüll in einer Woche produziert, was mich selbst sehr erstaunt hat.
Versucht das mal selbst und bekommt ein neues Gefühl für Lebensmittelmüll und den eigenen Verbrauch.

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Jens

Jens

1 Comment

  1. Helga Unland
    14. Januar 2017 at 19:35 — Antworten

    Hallo,
    es war sehr spanend Deine Seite zu durchstöbern :) bin noch lange nicht fertig.
    Habe einige Deiner Tipps aufgenommen und mit meiner Geschmacksidee verarbeitet. Am meisten teile ich Deine Begeisterung für das Sous vide garen. wir essen fast alles Fleisch nur durch diese Art zu garen. Selbstredend kein Schnitzel…..
    Vielen Dank für diese wunderbare Infoseite
    Helga

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