LowCarb-Pizza-Collage

 

Ich könnte mich Grün und Blau ärgern. Wo ist nur diese vermaledeite Empfangsbestätigung der Königin hingekommen? Vermutlich haben die Kinder wieder alles durcheinander gebracht.“

Grübelnd und in seinen Unterlagen suchend, sitzt Paolo an dem schweren Eichentisch seiner Pizzeria, auf dem noch etwas Mehl von dem gestrigen Abend liegt. Er, der Hoflieferant seiner Durchlaucht, des Königs Umberto I wurde nun um den geschichtlichen Ruhm betrogen. Wie soll er das nur seinen Freunden erklären, die er wie jeder Donnerstag im Parco di Capodimonte treffen wird? Sie werden ihn auslachen und sagen, daß es typisch für ihn ist.

 

 

Eigentlich ist er auch nicht der Lieferant des Königs, sondern eher der seiner Frau, Königin Margherita. Ihr, der Königin hat er sogar eine Pizza gewidmet, die offiziell auf seiner Karte steht, hier in dem kleinen gemütlichen Restaurant in Mitten der Kernstadt von Neapel. Durch diese Offenheit ist er vermutlich bei seiner Majestät in Ungnade gefallen.

Nutznießer und Abstauber war wie immer dieser Raffaele. Raffaele Esposito, ein aufstrebender junger Pizzaiolo aus der Weststadt war erst vor kurzem hier in Neapel aufgetaucht. Es muss vor circa zwei Jahren gewesen sein, so um den Dezember 1887 herum, als sich zum ersten Mal die Wege von Paolo und Raffaele kreuzten. Damals belächelte Paolo den Jungspund, als dieser ihm erzählte, er wolle eine Pizzeria eröffnen. Eine Pizzeria, hier in Neapel, der Stadt von Paolo, dem besten Pizzabäcker weit und breit.

 

Paolo erinert sich genau an den Tag, als er zum ersten Mal eine Pizza in den Palast zur Königin brachte. Im Sommer 1880 wählte sie aus einer Liste von 35 verschiedenen Pizzabelägen 8 Pizzasorten aus, die Paolo nun nach und nach für den königlichen Hof backen sollte.

Er macht sich an die Arbeit und tat dies mit großem Erfolg. Es sprach sich in der Stadt herum, dass Paolo die Gunst der Königin hatte und jeder wollte eine Pizza Margherita bei ihm kaufen. Sein kleines Restaurant wurde zum In-Laden der Stadt. Das Geschäft florierte, die Adligen gingen bei ihm ein und aus.Er musste sogar noch eine Aushilfe einstellen, die die Lieferungen zu den Damen der Stadt abdecken musste. So kam es dass er den ersten Pizzaservice der Welt inne hatte. In der Kasse klingelte es.

 

 

Aber nun ist Paolo etwas ratlos. Wo ist nur die Empfangsbescheinigung der ersten Pizzalieferung hingekommen? Der Stadtschreiber hat zur Vorlage gerufen, um die Geschichte der Pizza zu dokumentieren. Der Einzige, der eine anständige aufgeräumte Buchhaltung zu dieser Zeit zu scheinen hat, war die Pizzeria „Brandi“, von eben besagten Raffaele Esposito.

Grünes Basilikum, weißer Mozzarella und rote Tomaten – das ist seine Erfindung: Pizza Italiana, natürlich in den Nationalfarben Italiens. Raffaele Esposito ist nicht nur der erste historisch erwähnte Pizzaiolo, nein, er ist es auch noch mit seinem Belag. Paolo schlägt mit der Faust auf den Eichentisch. „Verdammt, ich brauch etwas Neues. Ich muss den Teig variieren, damit die Pizza gesünder wird.“

Gesagt – getan. Paolo teste viel und fand schließlich im Blumenkohl, der um diese Zeit viel in Italien angebaut wurde, einen adäquaten Bodenersatz für seine hochkalorienbelastete italienische Speise. Er nannte die Pizza „Low Carbia“ und versteckte das Rezept Jahrhunderte lang in einer alten hölzernen Reisekiste, die er auf dem Speicher seiner Pizzeria stellte. Paolo wollte um jeden Preis verhindert, dass dieser Emporkömmling Raffaelo wieder seine Erfindung stiehlt.

 

 

Jetzt war ich neulich in Neapel auf einem Flohmarkt und mir fiel eine alte hölzerne Kiste ins Auge. Ich verhandelte lange mit der alten italienischen Frau, bis sie mir schließlich die alte Kiste verkaufte. Daheim angekommen, bemerkte ich einen doppelten Boden in der Kiste. Als ich ihn öffnete, fand ich das alte Rezept von Paolo, dem Pizzabäcker aus Neapel aus dem 19.Jahrhundert. Bei Internetrecherchen bemerkte ich allerdings, dass es einige Blumenkohlrezepte im Internet gibt. Ich habe hier ehrlich gesagt Raffaelo und dessen Nachkommen in Verdacht. Die müssen irgendeinen Deal mit lecker.de abgeschlossen haben, denn da fand ich ein ähnliches Rezept.

Aber es gibt nur ein Originalrezept…das von Paolo – lasst es Euch schmecken.

 

 

Zutaten für 4 Portionen

  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 Dose (425 ml) stückige Tomaten
  • Salz, Pfeffer, Zuckerersatz
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • 1 Blumenkohl (ca. 1 kg)
  • 300 g Tomaten
  • 2 Lauchzwiebeln
  • 250 g Mozzarella
  • 200 g Gouda (Stück)
  • 1⁄4 Töpfchen Basilikum
  • Rucolasalat
  • 3-4 Parmesanspäne
  • geräucherten Schinken
  • Backpapier

 

Zubereitung Tomatensauce:

  1. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln
  2. Öl in einem Topf erhitzen
  3. Zwiebel und Knoblauch darin ca. 5 Minuten andünsten
  4. Stückige Tomaten zugeben, aufkochen und ca. 5 Minuten köcheln lassen – gelegentlich umrühren
  5. mit Salz, Pfeffer, 1 Prise Zuckerersatz und etwas Oregano abschmecken

 

Zubereitung Teig:

  1. Blumenkohl putzen und in großen Röschen vom Strunk schneiden
  2. In kochendem Salzwasser ca. 4 Minuten blanchieren
  3. In ein Sieb gießen, kalt abschrecken
  4. Tomaten waschen und in Scheiben schneiden
  5. Lauchzwiebeln putzen, waschen und in feine Ringe schneiden
  6. Mozzarella in Scheiben schneiden
  7. Ofen vorheizen (ca. Umluft: 200 °C)
  8. Gouda grob reiben
  9. Blumenkohl grob raspeln
  10. Gouda und Kohl mischen
  11. Bleche mit Backpapier auslegen
  12. Blumenkohlkäsemasse auf Bleche verteilen und zu je einem runden Pizzaboden (à ca. 30 cm Ø) formen.
  13. Nacheinander im heißen Backofen ca. 15 Minuten vorbacken (Die Backzeit hängt etwas von der Dicke eures Bodens ab. Der Boden sollte schon schön kross sein und schneidefähig)
  14. Auf dem knackigen Boden nun Tomatensoße, Tomaten, Lauchzwiebeln und Mozzarella verteilen
  15. Im heißen Ofen ca. 12 Minuten zu Ende backen bis der Löse verlaufen ist
  16. Pizza aus dem Ofen holen und frisch gehackten Basilikum, gerupften Schinken, Ruccola  und die Parmesanspäne auf die Pizza legen und servieren

 

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Jens

Jens

2 Comments

  1. 18. Mai 2014 at 11:30 — Antworten

    Jetzt möchte ich Paolo heiraten, aber der liegt bestimmt schon 10 Meter verrunzelt unter der Erde… egal dann bitte einen Shitstorm gegen Raffaelos Mafia Familie! Gibt’s ja gar nicht, PIZZA SKANDAL pöööh…Merci für deine aufopfernde investigative journalistische Arbeit!

    XX
    N.

    • 18. Mai 2014 at 11:55 — Antworten

      Einer muss ja die schmutzige Wäsche waschen 😉

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