„Fruchtbare Böden – gute Lebensmittel – nachhaltiger Genuss“, ist das Motto der Slow-Food-Messe in Stuttgart und schon baumelt mir irgendwelcher Schlotter unter dem Riechkolben.

„Schneckenleber…lecker…yam yam…probier mal…“, brabbelt der Typ hinter dem selbst gezimmerten Tresen eines der vielen Messestände in Halle 5 der Stuttgarter Messe und hält mir tatsächlich ein Stück von einer Schneckeninnerei unter die Nase. Ich gehe instinktiv einen Schritt zurück.

Schnecke ist ja bekanntlich eine Delikatesse…

Sekundenschnell schießen mir die Organfunktionen einer Leber durch den Kopf. Neben der lebenswichtigen Produktion von Eiweißen bleiben meine Gedanken beim „Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Giftstoffen“ hängen.

Wenn diese Schnecke nun ein übler Alkoholiker oder medikamentenabhängiger Schleichjunkie war, dann ist die Leber zerfressen und ich will sie nicht essen. Schnecken sind wirklich langsam unterwegs. Chillig…sie grooven auf den Wegen umher und sind völlig relaxed.

Die Theorie, daß Schnecken drogenabhängig sind, manifestiert sich in
meinem Kopf. Ich erweitere das Motto der Slow-Food gedanklich: „Fruchtbare Böden – gute Lebensmittel – Schnecken sind überall drüber gekrochen“.

 

 

Ich hebe meine Fotokamera hoch, tue ganz wichtig und gebe dem Schneckenbändiger zu verstehen, dass ich Fotos machen muss und mein Leben davon abhängt. Ich kann also unmöglich etwas von dem glitschigen Schlabberzeugs essen – auch nicht von seinen Schneckenkaviar.

Ich muss kurz würgen, beim Gedanken daran, dass mir eine Weinbergschnecke den Halsschlund hinunter in den Magenbereich klettert. Meine Rettung ist nah. Ylva, eine Bloggerin, die ich auf der Messe traf, sieht ganz ausgehungert aus. „Los schieb Dir den Schlonz ins Kaugebälk“, ermutige ich Sie.

Sekunden später ist der Schneckenschlabber in Yvlas Mund verschwunden und sie reibt sich mit beiden Händen, wie Obelix den Bauch, als ob auch Sie gerade zwei Wildschweine vertilgt hätte. Ich bin damit beschäftigt, meinen Mageninhalt nicht über Yvla zu erbrechen – reine Körperbeherrschung ist jetzt gefragt.

 

Hier merkt man, daß die ganze Familie im Betrieb mitarbeitet

 

Ich schlender schnell weiter, hinüber zu dem Stand der schwedischen Delegation mit der Elchwurst. Die häufigste Todesursache in Schweden bei den 13-26-jährigen in Schweden ist laut „Quizduell“ Selbstmord.

Die häufigste Todesursache allgemein ist allerdings „Autounfall mit Elchkontakt“. Wieso? Ja erstens gibt’s eine Menge von den Viechern in Skandinavien und zweitens klappen die beim Aufprall so blöd die Beine weg, sodass das sich das Geweih des Elches sauber in den Körper der Autoinsassen bohrt – auch in die Leber. Schon sind meine Gedanken wieder bei der Alki-Schnecke. Ich muss weiter. So einen Elch fange ich mir doch lieber selbst mit der Hand, wenn ich demnächst wieder nach Schweden reise.

 

 

Hinter mir schieben sich lärmende Menschenmengen durch die beiden Hallen, die voll mit Delikatessen und Leckereien sind. Die meisten befinden sich genau wie ich auf einer außergewöhnlichen Genussreise und man fühlt sich ein bisschen wie auf einem internationalen Marktplatz – dem Markt des guten Geschmacks, nur eben in einer Halle.

 

Die Internationalität ist überall zu sehen

 

Ich komme ohne Probleme mit den Produzenten an den Ständen ins Gespräch und diese freuen sich, dass sich junge Menschen so für Ihre Lebensmittel interessieren, wie wir das tun. Gut, der ein oder andere Ziegenkäseverkäufer sieht ein bisschen so aus, als ob er bei seiner Ziegenherde nächtigt, aber dieses Alm-Öhi-Feeling ist entweder gutes Marketingmittel oder einfach nur authentisch. Als Alm-Öhi mir eine Zeitung zeigt, in der er abgebildet ist und er einen jungen Mann aus dem Verschlag des Messestandes zerrt, glaube ich an die Streetcredibility des Käsemanns. „Ahh Geißen-Peter, krass..das passt ja“, sag ich zum Öhi.

Geißen-Peter stellt sich kurze Zeit als seine Tochter vor und spätestens da wird es Zeit zum nächsten Stand zu wechseln.

 

Käse ist ein wichtiger Bestandteil der SlowFood

 

Die 400 Aussteller sind Erzeuger und Lebensmittelhandwerker, die Euch gerne erzählen, wo das Obst herkommt, welches in Ihrem Aperitifessig verwendet wird, wie das Rind hieß, welches zu dem phantastischen Schinken her gemeuchelt und verarbeitet wurde oder auf welchen idyllischen Weinbergen in der Stuttgarter Gegend die Trauben für den Wein wachsen, den wir gerade am Stand von RUX-Wein in unsere jungen Körper hinein schütten.

 

Christoph Ruck vom Weingut Rux / Quintessenz Württemberg nimmt sich Zeit für uns

 

Ich erfahre, dass alle Produkte auf der Messe einer strengen Qualitätsprüfung unterzogen werden. Traditionelle handwerkliche Herstellung, der Verzicht auf Zusatzstoffe und Umweltschonung sind hier Prüfkriterien. In allen Produkten, die ich mir anschaue, sehe ich die Liebe zum Produkt.

 

Honig in ganzen Waben

 

Ich muss kurz in dem Messegetümmel durchatmen, will die Messe-Atmosphäre spüren. Ich mache Halt an einem übelst langen Tisch – die LANGE TAFEL. 100 Meter Gespräch und Essen.

 

Die „Lange Tafel“ ist ein Ort der Begegnung, des Essens und des Gesprächs

 

So kann man diesen außergewöhnlichen Tisch beschreiben. Ich lasse mich nieder und vertiefe mich sofort in Gespräche über die Qualität von Essen und Lebensmittelerzeugung mit anderen Bloggern, die ich dort getroffen habe.

Fast vergesse ich die Zeit, schrecke hoch, verabschiede mich hektisch von meinen Gesprächspartnern und eile durch die beiden Hallen der Slow Food 2014, kaufe mir ein handgefertigtes japanisches Gemüsemesser bei einem nicht-japanisch anmutenden Messermann, der mir verspricht auf den Blog zu schauen. *winkewinke*

 

Tolle handgemachte Messer nenne ich nun mein eigen

 

Ich bin etwas erschlagen von der Vielfalt des Angebots. Ich würde gerne an jedem Stand halt machen und von den Köstlichkeiten naschen. Geht natürlich nicht. Sonst werde ich fett wie ne Qualle..wie eine Schnecke..fette Schnecke. So laufe ich wie ein Spaziergänger durch die Gänge, schieße Fotos und beobachte die Menschen, wie Sie sich unterhalten, Essen testen und fröhlich sind.

 

Freundliche Menschen wohin man schaut – hier ein Lebkuchenhersteller in 3. Generation

 

Auf meiner Reise durch die Slow-Food laufe ich guten Freunden von „Monkey 47“ und „Kessler-Sekt“ in die Arme. Da der Abend schon fortgeschritten ist, entscheide ich mich dafür, mit Ihnen den Abend ausklingen zu lassen, was uns auch sehr gut gelingt.

 

 

4 Tage geht dieses Spektakel des gesunden Geschmacks – 10.-13.04.2014 und das Ganze findet auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt. Wenn Euch gutes gesundes Essen wichtig ist und Ihr auch mal etwas anderes auf dem Gaumen spüren wollt, als die üblichen Geschmäcker, dann geht zu dieser Messe. Mein Herz hüpft heute noch, wenn ich an die ganzen Leckereien denke. Mein Magen hüpft, wenn ich an die Schnecke denke.

 

Auch Kaffee findet seinen Platz und ist mir ein willkommener Antrieb.

 

Ich möchte Euch nicht ins Wochenende ziehen lassen, ohne Euch ein Gericht mit auf den Weg zu geben. Ein Bild spare ich mir allerdings an dieser Stelle. Ich hoffe, das geht ok für Euch.

Schneckengulasch

(Rezept von Rene Ringsmuth)

Zutaten:

  • 2 Gläschen Schnecken (gibt es entweder frisch im Vorgarten oder beim Schneckenmann im Internet)
  • 2 Zwiebeln
  • 1 EL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1/8 lt. Paprikamus
  • 1 EL edelsüßes Paprikapulver
  • ¼ lt. Rindssuppe
  • 1 TL Tomatenmark
  • Etwas Majoran, Thymian, Rosamarin und Kümmel gemahlen
  • Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

  1. Zwiebeln und Knoblauch in Würfel klein schneiden
  2. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen
  3. Zwiebeln, Knoblauch goldbraun anrösten
  4. Tomatenmark und Paprikapulver hinzufügen und alles schwenken
  5. Mit Rindssuppe aufgießen
  6. Mit Salz, Pfeffer, Majoran, Thymian, Rosmarin und gemahlenem Kümmel würzen
  7. Auf kleiner Hitze 10-15 min köcheln lassen
  8. Schnecken hinzufügen und mit Paprikamus auffüllen
  9. Nochmals aufkochen und ziehen lassen

 

Wohl bekomm´s…

 An dieser Stelle sei ein Riesenlob in Richtung Messe Stuttgart abgesendet. Ich habe es selten erlebt, dass Akkreditierungen für Blogger so reibungslos ablaufen und man so zuvorkommend behandelt wird, wie in Stuttgart. Ich habe dies auch schon auf der Intergastra erlebt und spende dafür großen Applaus. Da hat jemand verstanden, daß wir Blogger im Onlinebereich eine wichtige journalistische Kraft darstellen. Blogger Relation wird hier groß geschrieben. Danke dafür.

 

 

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Jens

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2 Comments

  1. […] Konfitürenfirma Faller aus dem Schwarzwald, von denen dieser Brotaufstrich stammt, ist übrigens SlowFood-Firma. Slow Food bedeutet leider nicht immer, dass nur gesunde Dinge hergestellt […]

  2. […] befand mich neulich auf der Slowfood in Stuttgart und habe gute Freunde von Monkey 57 und Kessler Sekt getroffen. Was macht Benjamin? Lest […]

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